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Everything you (n)ever wanted to know about your favorite band - in german only!

Gruess Papa von mir …

Hallo Freunde,

eigentlich erzähle ich euch hier immer irgendwas über meine Band. Heute möchte ich diese Möglichkeit allerdings nutzen, um über etwas sehr persönliches zu sprechen. Etwas persönliches und leider auch sehr trauriges.

In der Nacht von Freitag auf Samstag ist meine Mutter gestorben. Laut Notarzt hatte sie einen Herzinfarkt, der sie im Schlaf überraschte. Wie man so schön sagt, hatte sie keinerlei Schmerzen, es wurden auch keine Spuren einer Verkrampfung oder ähnliches festgestellt. Du machst die Augen zu, schläfst friedlich ein - und wachst nicht mehr auf … wünschen wir uns das nicht alle so?

Für den Mediziner mag es ein “Herzinfarkt” sein, für meine Familie und mich ist es aber eher ein “gebrochenes Herz”, an dem sie starb. Und wie ich das meine, möchte ich euch kurz erklären:
Fast genau vor 14 Jahren, am 7.4.1998, starb mein Vater an Krebs. Ich war damals im schlimmsten Teenager-Alter, völlig überfordert mit dieser schrecklichen Situation und habe jede Gelegenheit genutzt, um vor dem Drama zuhause zu fliehen. Meine Mutter war für meinen Vater da, jeden Tag und jede Nacht, bis zu seinem Tod, der für ihn und uns alle eine Erlösung war. Und ab diesem Tag, ab dem Moment, an dem seine Seele seinen Körper verließ, war meine Mutter ein anderer Mensch. Ich wusste, dass beide sich innig liebten, dass sie in meinen Augen eigentlich eine perfekte Ehe führten, in der es nie krachte. Alles lief perfekt - bis der Arzt den Krebs diagnostizierte. Doch ich wusste nicht, dass sie niemals von ihm loslassen konnte. Eigentlich denkt man ja, dass die Trauer mit der Zeit abnimmt. Vielleicht war das bei ihr auch der Fall. Doch tief in ihrem Herzen und ihrer Seele lebte ihr geliebter Ehemann und mein Vater Uli weiter. Bis zu dem Tag, an dem er nachts in ihr Schlafzimmer kam und sie fragte, ob sie mit ihm kommen möchte. Sie tat es … und genau das ist der Punkt, der im Moment meinen Schmerz in Grenzen hält.

Natürlich ist das alles noch viel zu frisch. Natürlich habe ich all das, was gestern auf mich eingeprasselt ist, noch nicht realisiert, und es wird sicher noch eine ganze Weile dauern, bis ich wirklich trauern kann. Doch ich weiß jetzt schon, dass Renate und Ulrich Demuth seit Freitag Nacht wieder zusammen sind und dass sie, meine Mutter, ENDLICH wieder glücklich ist. Auf diesen Moment musste sie fast 14 Jahre warten. Und nun wurde auch sie erlöst. Könntet ihr euch vorstellen, so eine lange Zeit mit einem gebrochenen Herzen zu leben? Ich nicht …

Vielleicht fragt ihr euch jetzt, warum ich euch das alles erzähle. Ich habe heute sehr intensiv darüber nachgedacht und mit meiner Freundin darüber gesprochen. Und mir ist einfach wichtig, dass ihr folgendes wisst:

Ich bin jetzt für viele von euch “der Patrick, der mit gerade einmal 29 Jahren keine Eltern mehr hat”. Aber bitte tut mir einen Gefallen: Behandelt mich nicht so. Behandelt mich so wie den Patrick, den ihr kennt - die einen vielleicht erst seit ein paar Wochen, andere seit unserer gemeinsamen Kindheit auf dem Bolzplatz in Biebesheim. Eine Umarmung und ein paar tröstende Worte tun immer gut, auch mir, aber bitte belasst es dabei. Mein Leben muss weitergehen - und ich fange in diesem Moment damit an. Das schaffe ich aber nur, wenn ihr mir das Gefühl gebt, dass alles seinen normalen Gang geht. Ich wünsche mir nichts mehr von euch als das - und ich hoffe, dass ihr mir das geben könnt.

Gestern um 14 Uhr stand ich noch auf der Musikmesse in Frankfurt. Drei Stunden später saß ich bei meiner Mutter, die so friedlich in ihrem Bett lag, und verabschiedete mich von ihr. Und jetzt schreibe ich diesen Blog-Artikel. Es ist gerade alles ziemlich verrückt, wie im Film … ich warte quasi stündlich auf den großen Knall und auf das Loch, dass sich vor mir öffnet und mir klar macht, was geschehen ist. Vielleicht wird es schlimm, vielleicht wird es erträglich - egal was kommt, ich weiß dass ich eine Menge Menschen um mich habe, die Tag und Nacht für mich da sind. Und denen möchte ich an dieser Stelle nochmal danken.

Vielen Dank an meine Familie, die gestern innerhalb kürzester Zeit nach Griesheim kam und mir zur Seite stand. Gemeinsam schaffen wir das, das weiß ich.
Vielen Dank an meine Freundin Linda, die jetzt vielleicht die härteste Zeit ihres Lebens mit mir durchmachen muss. Ich bin dir jetzt schon so unfassbar dankbar für alles, was kommen wird.
Vielen Dank an meine Band und Freunde von Unleash The Sky, die mir die Möglichkeit geben, mir den Schmerz von der Seele zu brüllen und die auch außerhalb des Proberaums immer für mich da sind.
Vielen Dank an alle wahren Freunde in meinem nähreren Umfeld, für ihre Anteilnahme und ihr Verständnis für meine hier geschilderte Bitte.
Und vielen Dank an jeden, der diese Zeilen bis hierhin gelesen hat und versteht, worauf ich hinaus will.

Fühlt euch frei, diesen Link zu teilen, denkt bitte immer an das positive im Leben und freut euch mit mir für eine bezaubernde Frau, die nun endlich wieder ihr Lächeln gefunden hat.

The things I left behind
Will be kept in my heart
Until the day I die

Paddy

Tag 16 - 18: Von Honigdieben und Spontanausfluegen

Im Vorfeld dieser Tour gab es einige offene Fragen. Neben “wie viele Unterhosen packt ihr denn eigentlich so ein?” war es vor allem der Punkt “wo zur Hölle liegt eigentlich Biberach???”, der uns beschäftigte. Im Zeitalter der neuen Medien wurden wir relativ schnell über die Lage und Vorzüge der “Großen Kreisstadt Biberach an der Riß” aufgeklärt - und was soll ich sagen: Wir wurden nicht enttäuscht.

Das einzig fade an diesem Tag war die Pilzsoße zum Hähnchengeschnetzelten, ansonsten lagen sich die Leute wieder in den Armen und feierten, sprangen, bangten und wasweißichnichtnochalles. Auch ein kurzer Schneesturm zu später Stunde tat der guten Laune keinen Abbruch:

Ja, und dann kam Krefeld. Krefeld, die letzte Station dieser Tour. Krefeld, der Ort, an dem man sich verabschieden musste. Krefeld, du blöde Sau. Krefeld, du warst wundervoll!!!!

Man hatte uns ja rechtzeitig gewarnt: “Passt bloß auf, die Bulls werden euch bei der letzten Show gehörig reinlegen. Das hat Tradition … ” Und als mittags die komplette Band Unleash The Sky + Produzent Sky van Hoff in einem Krefelder Sushiladen saß, ahnten wir schon Schlimmes. Würden die Bulls unsere Abwesenheit ausnutzen? Ja, sie taten es! Kurzfassung: zwei riesige Pimmel aus schwarzem Tape auf den Sidedrops, ein Mikrofon mit Honig-Überzug und tonnenweise Klopapier auf der Bühne. In irgendeinem Forum las ich ein Review, in dem das Wort “unkonventionell” benutzt wurde - das kann man unterschreiben!

Unsere Rache war minutiös getimed und sollte nicht lange auf sich warten lassen. Pünktlich zur Zugabe, Christoph von Freydorf war gerade in die Ballade “I don’t belong here” vertieft, schlug unsere große Stunde:

Und kaum waren wir von der Bühne, saßen wir auch schon wieder im Bus Richtung Heimat. Ein komisches Gefühl … und das lag nicht nur daran, dass sich Sky spontan dazu entschloss, mit uns nach Aschaffenburg zu fahren. Was er genau dort wollte und ob er mittlerweile wieder daheim angekommen ist, wir wissen es nicht.

Dafür weiß ich, dass diese Tour noch einen Abschluss-Post verdient hat. Und der wird bald folgen.

Schön war’s!
Patrick

Tag 13 - 15: Von Schutzengeln und Fleischwaagen

Logbuch des Kapitäns, Donnerstag, 8. März 2012, 14.28 Uhr: Das Wetter ist bewölkt, Bayer Leverkusen wurde gestern von einem kleinen Argentinier ins Koma befördert - und wir befinden uns auf der Zielgeraden. Nach zwei sehr erholsamen Offdays (vor allem für unsere Dreckwäsche) steht uns nun mit Regensburg, Biberach und Krefeld der finale Endgegner bevor. Aufmerksame Leser werden nun empört von ihren Sitzen springen und sagen “Haaalt Stopp! Regensburg war doch schon gestern!!!”, was natürlich völlig korrekt ist, doch ich wollte diesen flotten Dreier einfach nochmal kurz hervorheben - und ein Foto posten, dass ich gerade in den Tiefen meiner Handygalerie entdeckt habe. Kris und Tanne - irgendwo zwischen business as usual und der Schwerelosigkeit einer Dose Apfelwein. Wie Mutter und Tochter. Das Leben kann so schön sein.

Also, Biberach und Krefeld, wir kommen! Regensburg, wir gingen. Und es war schön bei euch. Vielleicht sogar die schönste Show der Tour - zumindest dann, wenn man die Zahl der Stagediver und das finale “Wettrennen” zwischen Mario und mir als Maßstab nimmt. Es wundert mich ja immer wieder, dass mir mein Schutzengel noch keinen Denkzettel verpasst und mich (im wahrsten Sinne des Wortes) fallen gelassen hat - und das trotz der massiven Gewichtszunahme in den letzten zwei Wochen. Danke, namensloser unsichtbarer Beschützer! Und hat eigentlich jemand Fotos davon????? (Solltest du diese Frage mit JA beantworten, dann schicke bitte eine Mail an info@unleashthesky.com. SOFORT!!!)

Kleine Anekdote am Rande: Um für die letzten beiden Shows gewappnet zu sein, wollten wir uns ein paar CDs per Express nach Biberach liefern lassen. An für sich kein Problem - wenn man denn weiß, wieviel so ein Karton mit 25 Exemplaren eigentlich wiegt. Wisst ihr das auswendig?! Wir jedenfalls nicht … und nachdem man uns im Club nicht weiterhelfen konnte, verschlug es mich in die anliegende Metzgerei. Die souveräne Fleischfachverkäuferin ließ sich von meiner Frage (“Guten Tag! Ich möchte nichts kaufen, aber könnten Sie vielleicht mal diesen Karton hier auf Ihre Waage legen und mir sagen, wie schwer er denn ist?”) überhaupt nicht aus dem Konzept bringen. Ergebnis: 2,545 Kilogramm, gemessen mit einer geeichten Metzgerwaage. Weißte Bescheid, ne?! Zu einem Foto war ich während dieses krassen Abenteuers leider nicht fähig. Dafür gibt’s an dieser Stelle einen Schnappschuss vom Moment des 2.500 Facebook-Likes. Danke, unbekannter Internet-Nutzer! Komm später nach Biberach und wir drücken dich ganz fest … wenn du weißt, wo Biberach liegt. Ich wusste es nicht.

Tag 10 - 12: Busdaecher und Kneipenrechnungen

Da war sie nun endlich, die erste nicht-so-gute Show, gespielt in Jena. Zumindest waren wir mit unserer Leistung nicht zufrieden und den restlichen Abend auch merklich geknickt - doch damit sind wir wieder beim berühmten Thema “Wenn’s die Band schlecht findet, heißt’s nicht automatisch, dass das Publikum genauso denkt”: Jenes Publikum war nämlich durchaus gewillt, sich zu bewegen, teilweise wurde sogar mitgesungen. Nicht so doll wie am Vortag bei Santiano, aber wir machen ja auch Mädchenmetal und keinen Piratecore. Die Aftershowparty fand schließlich auf dem Dach unseres Nightliners statt - eine dieser besonderen Situationen, an die man sich auch noch in 50 Jahren erinnern wird. Wobei man hier auch für die ganze Tour sprechen kann. Es ist einfach wie im Traum …

Dieser Traum wurde mit der Ankunft in Herford allerdings zur Hölle: Dave klang so, als hätte er die letzten Nächte komplett durchgesoffen. Wer Dave kennt, der weiß, dass gerade ER ein sehr vorsichtiger und stimmbandschützender Musiker ist, ausgestattet mit allen Medikamenten und Bonbons dieser Welt und immer mit einem Schal um den Hals. Angeblich behält er den sogar unter der Dusche an, aber das bleibt wohl sein Geheimnis.

Ich habe nicht lange nachgedacht und bin mit ihm ins Taxi Richtung Krankenhaus gestiegen. Dort diagnostizierte man innerhalb von 0,3 Sekunden eine “dicke Entzündung im Halsbereich” und verwies uns auf den HNO-Notdienst im 15 km entlegenen Bünde. Notiz an mich: Niemals Samstags was im Hals haben, denn diese Taxikosten haben uns ruiniert. Die nette HNO-Ärztin erweitere die Diagnose letztendlich um eine “Kehlkopfentzündung, die sich bereits auf die Stimmbänder ausgeweitet hat”.

Im Prinzip war Dave am Arsch. Im Prinzip waren wir am Arsch. Doch da hat der Wirt die Rechnung ohne den Gast gemacht - und der hieß Mario. Ihr kennt Mario nicht? Mario ist Guitar Tech der Emil Bulls und bei allen Shows im hinteren Bühnenbereich positioniert. So auch bei uns. Und somit war er nach vier Shows bereits mit allen Gesangsmelodien per du. Sein lapidarer wie vielversprechender Vorschlag: “Na, wenn ihr wollt, dann schaff ich mir die Texte drauf und sing.” Zwei Stunden später standen Unleash The Sky featuring Mario von Blackout Problems (unbedingt auschecken: www.facebook.com/blackoutproblems) gemeinsam auf der Bühne - Glückshormone en Masse, denn damit hatte am Vormittag noch keiner gerechnet.

Der heilige Sonntag führte uns nach Mannheim. Hier begann der Tag mit einer schlechten Nachricht der anderen Art: Die Dusche hat nur kaltes Wasser. Wer schon mal einen Musiker am Tag danach gerochen hat, der weiß, wie schlimm das ist …

Nach einigen Stunden, die ich dank perfektem Internet mit dem 1:0 Sieg der Eintracht gegen Cottbus überbrücken konnte, kam irgendein Macgyver auf die Idee, den Hahn am Waschbecken parallel zur Dusche aufzudrehen - und Gott schuf warmes Wasser. Diese Apparatur durfte für den Rest des Tages von keinem Menschen mehr angefasst oder angeschaut werden und sorgte nach einiger Zeit für ein eindrucksvolles Sauna-Feeling im Backstage-Bereich. Aber hauptsache, wir waren sauber.

Heute heißt es (endlich?) mal wieder Offday, davon gleich zwei. Ausspannen, Wäsche waschen, Mails beantworten, ein paar neue Ideen aufnehmen, Apfelwein trinken - und das gute Gefühl aufsaugen, das einen umgibt. Jede Sekunde. Schon seit fast zwei Wochen. Ich fass’ es immer noch nicht.

Tag 8 - 9: Schuhexperten und Kommunikationsprobleme

Jena, du schöne Studentenstadt! Der gestrige Offday war mit Abstand am produktivsten: Neben ein bisschen Sightseeing gab es eine sehr preisgünstige Massage im Einkaufscenter …

… und ein sichtbar entspannter Matze vollbrachte im Anschluss sogar das Kunststück, neue Schuhe zum Schlagzeugspielen zu finden. Wer die letzten Tage mit Matze verbracht hat (und ich kann das definitiv von mir behaupten), der weiß, was für eine Diva in ihm steckt, wenn es um die Wahl des perfekten Schuhwerks geht. Happy End!

Das Highlight unseres fast zehnstündigen Shopping-Mall-Sightseeing-Marathons war aber der GRATIS-Auftritt der legendären SANTIANO. Mit ihrer Mischung aus brachialem Piratecore und eingängigen dreimastigen Refrains brachten sie das gesamte Center zum Kochen. Sogar der Geschäftsführer war außer Rand und Band und erwieß sich als eindrucksvoller Anheizer des ü50-Publikums. Wenn ich mal groß bin, dann werd ich auch so ein Star! Und dann werde ich ganz Jena verrückt machen, um an ein paar Flaschen Sangrita zu kommen. Nein, nicht Sangria, liebe Einzelhandelsfachverkäuferin, SANGRITA, der lecker-fruchtige Tomatensnack zum Trinken, also known as “die Grundlage für guten Mexikaner”. Damit wollten wir die Bulls, die Crew und unseren Busfahrer Silvo gestern eigentlich überraschen … doch Sangria, sorry: SANGRITA, scheint man im Osten nicht zu kennen.

Noch ein paar Worte zur Show in Frankfurt: So langsam fällt es mir schwer, die richtigen Superlative zu finden. Ein paar Songs hat’s gedauert, ja, doch dann glich die Batschkapp einer Gulaschkanone … wie zuvor in Potsdam, wie zuvor in Augsburg, wie zuvor in Stuttgart. Verrückt.

Unser guter Freund Benni war mit seiner neuen Kamera dabei und hat eine schicke kleine Zusammenfassung produziert. Im nächsten Post gibt’s den Link. Wir haben es schon gesehen … mein Freund John Morton von The Hand of Glory würde sagen: “AWESOME, DUDE!”

Ich möchte an dieser Stelle mal allen Leuten danken, die diese Tour so unvergesslich machen. Und wenn du diese Zeilen hier liest, dann gehörst du auch dazu. Morgen Herford, sei dabei!

Tag 5 - 7: Fleischwursthaeppchen und Bowlingboys

Kinder, wie die Zeit vergeht … wir sind nun schon seit einer Woche “on the road”, wie man im Fachjargon sagt. Drei Shows sind gespielt, sieben weitere warten noch - und heute Abend steht mit Frankfurt quasi unser Heimspiel auf dem Plan.

Ich sitze im Backstageraum der Batschkapp, erfreue mich an einer Rohkostplatte (gespickt mit Fleischwursthäppchen natürlich) und genieße die vierte Tasse Kaffee des Tages. Was ist die letzten Tage so passiert? Ein Erinnerungsversuch:

Berlin meinte es leider nicht gut mit uns: Es war bewölkt, es war windig, es war regnerisch - keine guten Voraussetzungen für zwei Offdays in der Hauptstadt. Wir standen mit unserem Nightliner irgendwo im Tempelhofer Nichts, genauer gesagt auf dem riesigen Parkplatz der Busfirma, wo es außer einer Bus-Waschanlage und den Mitarbeiter-Duschen nichts erwähnenswertes gab. Was tun? Nach einem kurzen Rundgang durch das Einkaufscenter “Tempelhofer Hafen” inklusive Frühstück wagten wir uns in das Maul der U-Bahn-Haltestelle. Ausgespuckt wurden wir am Brandenburger Tor, wo wir auf Darth Vader trafen (Beweisfoto gibt’s bei Facebook). Mit viel Glück konnten wir seinem Würgegriff entkommen und flohen Richtung Alexanderplatz. Nach einer Kaffeepause bei Dunkin Donuts …

… zogen wir wetterbedingt in die anliegende Bowlingbahn. Das Kein-Bier-vor-Vier-Gesetz wurde ausnahmsweise mal außer Acht gelassen - und da man leider kein Blitzlicht an der Bahn verwenden darf (“Davon gehen die Monitore kaputt” … WTF?!), ist unser Andenken relativ dunkel geraten.

Der nächste Morgen begann mit einer abenteuerlichen Fahrt durch die Potsdamer Schrebergärtensiedlung, bevor wir am Lindenpark ankamen und nach drei Tagen Dürre ENDLICH wieder sowas wie Konzertfeeling aufkam. Mario (Guitar Tech) war da ganz unserer Meinung:

Die Show war … und ich weiß dass ich mich wiederhole …bombastisch. Ich kann’s mir ehrlichgesagt noch immer nicht erklären, aber der berühmte Funke schafft es immer wieder von der Bühne auf die Tanzfläche. Danke an unseren Exil-Darmstädter William für dieses kurze Video zu Back to Zero. Den Ton könnt ihr euch schenken, denn die Bilder sprechen für sich:

https://www.facebook.com/video/video.php?v=3162815903349

Zurück ins Hier und Jetzt: Klaus Kanone beginnt gerade mit dem Drum-Soundcheck, ich schmiere mir jetzt noch ein Brötchen (merke: eine Tour wirkt sich nicht gerade förderlich auf deinen Bauch aus) und dann hoffen wir, dass unser per Express bestelltes Merchandise heute noch rechtzeitig geliefert wird.

HEIMSPIEL! AUF!

Tag 2 - 4: Hausmannskost und Gluecksgefuehle

Hello again! In Österreich gibt es Berge en Masse und lustige Teenager, die den ganzen Tag mit ihrem Motorrad um die Location heizen - nur kein Internet weit und breit. Deshalb: Sorry für die Verspätung. Hier alles seit Augsburg, ich hab ja in der Zwischenzeit fleißig vorgeschrieben.

Augsburg, morgens: Beginnen wir heute wieder mit einer Frage: Wenn Kaffee ein Geschenk des Himmels ist … was ist dann bitte ein Nightliner mit eingebauter Kaffeemaschine? Richtig, es IST der Himmel! Auf der Uhr steht 9:32 und ich habe keine Ahnung, weshalb ich gerade hier sitze und auf die Tasten dieses Notebooks hacke. Spät wurd’s gestern. Gegen 1 war alles mit Beschriftung “EB” oder “UTS” aus dem LKA geschafft. Anschließend standen diverse “Fachgespräche” auf dem Plan - bei wohltemperiertem Apfelwein, Pizza und einer Macgyver-DVD. Um halb 4 erklärte mir mein Körper, dass wir in den nächsten Tagen noch so einiges durchmachen werden und er auf den Schlafrecht bestehe. Eine gute Entscheidung…aber wieso zur Hölle bin ich jetzt schon wach?!

Am Rande bemerkt: WHATTHEFUCK IST GESTERN IN STUTTGART PASSIERT?!?!?! Hätten wir einen besseren Einstand feiern können? Natürlich hätten uns mehr Leute kennen können. Natürlich hätten sie direkt mit dem ersten Song (und nicht erst ab Song 4) ausrasten können. Natürlich könnte ich auch James Hetfield heißen und bei Metallica spielen. Lassen wir das lieber. Es war ein Fest!

Augsburg, nachts: Auf der Uhr steht 1:21 und ich verliere so langsam dem Bezug zur Realität. Stuttgart wurde getoppt - eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, aber Tatsache. Zwei Shows, zwei unglaubliche Erfahrungen. Kann man sich dran gewöhnen. Definitiv.

Österreich, morgens: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte:

Österreich, mittags: Offdays sind ja so ne Sache. Man könnte sich hinsetzen und neue Songs aufnehmen oder mal wieder ein gutes Buch lesen … wir saßen ab 15 Uhr in der Sonne und haben gesoffen. Die Bulls servierten wieder eine Bomben-Show, nur war das Publikum etwas strange (und betrunkener als wir). Die anschließende Aftershowparty begann mit Langos für alle und endete gegen … ja, wann eigentlich?!

Autohof Hilpoltstein, abends: Nun sitze ich hier, im “freundlichen Total-Autohof an der BAB 9”. Internet geht, die Duschen sind wunderbar, Leberkäse mit Spiegelei und Bratkartoffeln war der Wahnsinn. Abgesehen vom Kackwetter da draußen ist die Welt hier noch in Ordnung. Um 20.30 geht die Fahrt weiter Richtung Berlin. Und von dort aus melde ich mich morgen wieder.

Tag 1: Frikadellenbroetchen und Wackeltraeume

Wisst ihr woran man erkennt, dass man seit Ewigkeiten nicht mehr gebloggt hat? Genau: Wenn man fast drei Minuten braucht, um sein Passwort wieder in den Sinn zu rufen.

Nachdem ich diese Hürde erfolgreich überwunden habe, möchte ich mich dem angenehmen Teil widmen: Ich sitze im Backstage-Bereich des LKA in Stuttgart, habe vorhin gefrühstückt wie ein Gott und beobachte nun von oben, wie unten die Bühne aufgebaut wird. Alles noch etwas fremd für meinen Verstand, teilweise wirkt dieses ganze Szenario unrealistisch, wie im Traum. Oder wie würdest du dich fühlen, wenn du morgens um 10 in eine leere Halle kommst und genau weißt, dass heute Abend mehr als 1.000 Menschen an dieser Stelle ausrasten werden?!

Die erste Nacht im rollenden Hotel war wackelig, aber angenehmer als ich dachte. Im Gegensatz zu einem Teil meiner Bandkollegen habe ich es gegen 0 Uhr in meine Koje geschafft und bin innerhalb von vielleicht 15 Minuten tatsächlich eingeschlafen. Irgendwann zu später Stunde mischte sich “How I could just kill a man” von Rage against the Machine in meine Träume, aber das sollten wir hier jetzt nicht weiter ausführen, sonst gibt’s Ärger mit dem Headliner (die just in diesem Moment mit dem Schlagzeug-Soundcheck beginnen). Unser Soundcheck ist für 16.30 angesetzt und bis dahin werde ich einfach hier sitzen bleiben, mich am Buffet erfreuen (nachher gibt’s ja auch noch was Warmes, HA!) und meine Fingernägel bis aufs Fleisch abkauen.

Stagetime 20:30 - 21.15. Ich zähle die Minuten…

Sie haben Post!

Liebste Mutter,

die Tour meiner Band ist vorüber und ich bin wieder heile daheim angekommen. Es war ein großer Spaß, wir haben uns sehr gut vertragen und ich freue mich schon aufs nächste Mal.

Bis bald,
dein Patrick

*
Und jetzt das Kleingedruckte:

HOLY SHIT!!! 15 Tage, 11 Shows, 12 Personen, 264 Dosen Apfelwein und gut 3.000 wahnwitzig verlaufende Kilometer. Wenig Schlaf (unter anderem im Treppenhaus eines sanierungsbedürftigen Gebäudes), noch weniger geistreiche Gespräche (Haba Baba?!) und dafür viiiieeel von dem, was so einen Trip erst zur wahren Männerreise macht:

- unmenschliche Blähungen (morgens, mittags, abends, nachts)
- exzessives Trinkverhalten (überwiegend abends, aber vereinzelt auch zur besten Frühstückszeit)
- Griffe an befreundete Genitalien (immer)
- wilde Tiger auf der Autobahn (zwischen Karlsruhe und Hamburg)
- rasante Verfolgungsjagten in der Reifenrutsche (Wonnemar Spaßbad Ingolstadt)
- ICH WEIß ÜBERHAUPT NICHT WO ICH BIN!!!! (Verfasser im Sinne des Datenschutzes geheim)
Und nicht zu vergessen: All die unfassbar lustigen, chaotischen und erwähnenswerten Vorfälle, die der Autor leider in einer Dose Apfelwein verloren hat. (Ja, Bier war auch im Spiel)

Es wäre ein Lebenswerk, diese zwei Wochen in aller Ausführlichkeit niederzuschreiben – und vieles davon bleibt wohl eh besser aufgehoben in unserem Erinnerungs-Safe. Ihr sollt aber wissen, dass es für uns eine unglaublich wundervolle und intensive Erfahrung war und wir jetzt definitiv wissen, dass die Konstellation KrisTanneDaveMatzePaddy perfekter nicht sein könnte. Ein großer Dank geht raus an Benni Richter für den Part des Mischers, Mädchenfüralles und für das Aufstellen eines neuen WhatsApp-Rekordes. Big hugs & kisses auch nochmal an fünf wirre Deutsch-Amerikaner und ihren Dude, ohne die diese Tour nicht möglich gewesen wäre. UTS + THOG = AWESOME AWESOMENESS!

Nächstes Jahr wird’s getoppt, versprochen. Und wer uns mit nem Bier überrascht, der bekommt vielleicht die ein oder andere Geschichte erzählt. Fotos werden nachgereicht.

Danke.
Paddy

Ein paar Worte zu KARL, dann iSt RUHE

So Freunde,

ich sitze im Backstage der KuFa in Hildesheim und gleich gibt es lecker Suppe. 2/3 unserer Releasetour sind abgespielt, eigentlich erwartet man an dieser Stelle ein kleines Zwischenfazit mit ganz vielen lustigen Stories - zum Beispiel über unseren Besuch auf der Reeperbahn oder den Tiger auf der A5, aber leider muss ich den Moment nutzen um ein paar Dinge klarzustellen, die am 8.10. in Karlsruhe vorgefallen sind und deren Ausmaß wohl mehr Wellen schlägt als ich dachte.

Aaaaalso:

Ich persönlich habe ÜBERHAUPT nichts gegen ein gesundes Aggressionspotential vor der Bühne. Wir machen schließlich keinen Schlager und ich nutze jede Show immer wieder als Ventil, um mich von meinen Sorgen und was auch immer zu befreien. In Karlsruhe habe ich bei der Band vor uns (The Fracture, die übrigens sehr gut waren!) einige Gestalten im Pit erblickt, deren Aggression das von mir als “Normal” angesehene Niveau deutlich überschritten. Was bei anderen Bands vor der Bühne passiert ist mir völlig egal, nur war mir zu diesem Zeitpunkt schon klar: Wenn Unleash The Sky spielt, dann möchte ich keine Ellenbogen sehen, die GEZIELT in die Gesichter Anderer abgefeuert werden. Ich möchte keine mutwilligen Tritte in die Eier der Außenstehenden und ich will vor allem nicht, dass 90 % der Leute, die gerne vorne mitmischen würden, aus purer Angst um ihre Knochen im Hintergrund stehen bleiben.

Als die Stimmung beim vierten Song das von mir befürchtete Level erreichte, musste ich einschreiten. Nicht nur um mir und meinen Prinzipien treu zu bleiben, sondern auch um die Situation zu beruhigen, denn just in diesem Moment gingen zwei andere Gäste auf den jungen Herrn im grauen Shirt los, der kurz darauf von mir nach draußen befördert wurde. Ich gebe zu, dass meine Ansage im Vorfeld etwas übertrieben war, die Wortwahl verletzend und das ganze einer Bloßstellung glich - aber ich stehe dazu und ich werde auch in Zukunft nichts daran ändern.

Moshen gehört zum Hardcore wie die Butter aufs Brot, aber Moshen hat in meiner Welt NICHTS, aber auch GAR NICHTS mit “ich bin ein Vollidiot und will einfach nur anderen Menschen die Nase brechen, damit ich in meiner Crew damit prahlen kann” zu tun. Wer da anderer Meinung ist, der soll sich verpissen und bei anderen Bands feiern, da gibt es schließlich genug - nur eben nicht bei uns.

Die Antwort der besagten Kids ließ natürlich nicht lange auf sich warten: Vielen Dank für das Zerkratzen unseres Busses (wofür steht eigentlich das F”?) und den süßen Versuch, unsere Scheibe mit einer Flasche zu durchbrechen. Das Schöne an der Sache ist, dass der Parkplatz über eine funktionstüchtige Videoüberwachungsanlage verfügt und wir die Aufnahmen bereits zugesichert bekommen haben. Sollte sich an dieser Stelle jemand angesprochen fühlen, dann kann er sich gerne bei uns melden und wir klären alles unter uns. Ansonsten werden wir demnächst einen Anwalt kontaktieren. Das wäre zwar nicht schön, aber unserem Lack sind wir es schuldig.

Und jetzt lasst uns doch einfach wieder um die wirklich wichtigen Dinge des Lebens kümmern. Außerdem muss ich dringend den Raum verlassen, da Jappo (THOG) gepupst hat.

Cheers,
Paddy | UTS