Gruess Papa von mir …
Hallo Freunde,
eigentlich erzähle ich euch hier immer irgendwas über meine Band. Heute möchte ich diese Möglichkeit allerdings nutzen, um über etwas sehr persönliches zu sprechen. Etwas persönliches und leider auch sehr trauriges.
In der Nacht von Freitag auf Samstag ist meine Mutter gestorben. Laut Notarzt hatte sie einen Herzinfarkt, der sie im Schlaf überraschte. Wie man so schön sagt, hatte sie keinerlei Schmerzen, es wurden auch keine Spuren einer Verkrampfung oder ähnliches festgestellt. Du machst die Augen zu, schläfst friedlich ein - und wachst nicht mehr auf … wünschen wir uns das nicht alle so?
Für den Mediziner mag es ein “Herzinfarkt” sein, für meine Familie und mich ist es aber eher ein “gebrochenes Herz”, an dem sie starb. Und wie ich das meine, möchte ich euch kurz erklären:
Fast genau vor 14 Jahren, am 7.4.1998, starb mein Vater an Krebs. Ich war damals im schlimmsten Teenager-Alter, völlig überfordert mit dieser schrecklichen Situation und habe jede Gelegenheit genutzt, um vor dem Drama zuhause zu fliehen. Meine Mutter war für meinen Vater da, jeden Tag und jede Nacht, bis zu seinem Tod, der für ihn und uns alle eine Erlösung war. Und ab diesem Tag, ab dem Moment, an dem seine Seele seinen Körper verließ, war meine Mutter ein anderer Mensch. Ich wusste, dass beide sich innig liebten, dass sie in meinen Augen eigentlich eine perfekte Ehe führten, in der es nie krachte. Alles lief perfekt - bis der Arzt den Krebs diagnostizierte. Doch ich wusste nicht, dass sie niemals von ihm loslassen konnte. Eigentlich denkt man ja, dass die Trauer mit der Zeit abnimmt. Vielleicht war das bei ihr auch der Fall. Doch tief in ihrem Herzen und ihrer Seele lebte ihr geliebter Ehemann und mein Vater Uli weiter. Bis zu dem Tag, an dem er nachts in ihr Schlafzimmer kam und sie fragte, ob sie mit ihm kommen möchte. Sie tat es … und genau das ist der Punkt, der im Moment meinen Schmerz in Grenzen hält.
Natürlich ist das alles noch viel zu frisch. Natürlich habe ich all das, was gestern auf mich eingeprasselt ist, noch nicht realisiert, und es wird sicher noch eine ganze Weile dauern, bis ich wirklich trauern kann. Doch ich weiß jetzt schon, dass Renate und Ulrich Demuth seit Freitag Nacht wieder zusammen sind und dass sie, meine Mutter, ENDLICH wieder glücklich ist. Auf diesen Moment musste sie fast 14 Jahre warten. Und nun wurde auch sie erlöst. Könntet ihr euch vorstellen, so eine lange Zeit mit einem gebrochenen Herzen zu leben? Ich nicht …
Vielleicht fragt ihr euch jetzt, warum ich euch das alles erzähle. Ich habe heute sehr intensiv darüber nachgedacht und mit meiner Freundin darüber gesprochen. Und mir ist einfach wichtig, dass ihr folgendes wisst:
Ich bin jetzt für viele von euch “der Patrick, der mit gerade einmal 29 Jahren keine Eltern mehr hat”. Aber bitte tut mir einen Gefallen: Behandelt mich nicht so. Behandelt mich so wie den Patrick, den ihr kennt - die einen vielleicht erst seit ein paar Wochen, andere seit unserer gemeinsamen Kindheit auf dem Bolzplatz in Biebesheim. Eine Umarmung und ein paar tröstende Worte tun immer gut, auch mir, aber bitte belasst es dabei. Mein Leben muss weitergehen - und ich fange in diesem Moment damit an. Das schaffe ich aber nur, wenn ihr mir das Gefühl gebt, dass alles seinen normalen Gang geht. Ich wünsche mir nichts mehr von euch als das - und ich hoffe, dass ihr mir das geben könnt.
Gestern um 14 Uhr stand ich noch auf der Musikmesse in Frankfurt. Drei Stunden später saß ich bei meiner Mutter, die so friedlich in ihrem Bett lag, und verabschiedete mich von ihr. Und jetzt schreibe ich diesen Blog-Artikel. Es ist gerade alles ziemlich verrückt, wie im Film … ich warte quasi stündlich auf den großen Knall und auf das Loch, dass sich vor mir öffnet und mir klar macht, was geschehen ist. Vielleicht wird es schlimm, vielleicht wird es erträglich - egal was kommt, ich weiß dass ich eine Menge Menschen um mich habe, die Tag und Nacht für mich da sind. Und denen möchte ich an dieser Stelle nochmal danken.
Vielen Dank an meine Familie, die gestern innerhalb kürzester Zeit nach Griesheim kam und mir zur Seite stand. Gemeinsam schaffen wir das, das weiß ich.
Vielen Dank an meine Freundin Linda, die jetzt vielleicht die härteste Zeit ihres Lebens mit mir durchmachen muss. Ich bin dir jetzt schon so unfassbar dankbar für alles, was kommen wird.
Vielen Dank an meine Band und Freunde von Unleash The Sky, die mir die Möglichkeit geben, mir den Schmerz von der Seele zu brüllen und die auch außerhalb des Proberaums immer für mich da sind.
Vielen Dank an alle wahren Freunde in meinem nähreren Umfeld, für ihre Anteilnahme und ihr Verständnis für meine hier geschilderte Bitte.
Und vielen Dank an jeden, der diese Zeilen bis hierhin gelesen hat und versteht, worauf ich hinaus will.
Fühlt euch frei, diesen Link zu teilen, denkt bitte immer an das positive im Leben und freut euch mit mir für eine bezaubernde Frau, die nun endlich wieder ihr Lächeln gefunden hat.
The things I left behind
Will be kept in my heart
Until the day I die

Paddy

















