Tag 10 - 12: Busdaecher und Kneipenrechnungen
Da war sie nun endlich, die erste nicht-so-gute Show, gespielt in Jena. Zumindest waren wir mit unserer Leistung nicht zufrieden und den restlichen Abend auch merklich geknickt - doch damit sind wir wieder beim berühmten Thema “Wenn’s die Band schlecht findet, heißt’s nicht automatisch, dass das Publikum genauso denkt”: Jenes Publikum war nämlich durchaus gewillt, sich zu bewegen, teilweise wurde sogar mitgesungen. Nicht so doll wie am Vortag bei Santiano, aber wir machen ja auch Mädchenmetal und keinen Piratecore. Die Aftershowparty fand schließlich auf dem Dach unseres Nightliners statt - eine dieser besonderen Situationen, an die man sich auch noch in 50 Jahren erinnern wird. Wobei man hier auch für die ganze Tour sprechen kann. Es ist einfach wie im Traum …

Dieser Traum wurde mit der Ankunft in Herford allerdings zur Hölle: Dave klang so, als hätte er die letzten Nächte komplett durchgesoffen. Wer Dave kennt, der weiß, dass gerade ER ein sehr vorsichtiger und stimmbandschützender Musiker ist, ausgestattet mit allen Medikamenten und Bonbons dieser Welt und immer mit einem Schal um den Hals. Angeblich behält er den sogar unter der Dusche an, aber das bleibt wohl sein Geheimnis.
Ich habe nicht lange nachgedacht und bin mit ihm ins Taxi Richtung Krankenhaus gestiegen. Dort diagnostizierte man innerhalb von 0,3 Sekunden eine “dicke Entzündung im Halsbereich” und verwies uns auf den HNO-Notdienst im 15 km entlegenen Bünde. Notiz an mich: Niemals Samstags was im Hals haben, denn diese Taxikosten haben uns ruiniert. Die nette HNO-Ärztin erweitere die Diagnose letztendlich um eine “Kehlkopfentzündung, die sich bereits auf die Stimmbänder ausgeweitet hat”.

Im Prinzip war Dave am Arsch. Im Prinzip waren wir am Arsch. Doch da hat der Wirt die Rechnung ohne den Gast gemacht - und der hieß Mario. Ihr kennt Mario nicht? Mario ist Guitar Tech der Emil Bulls und bei allen Shows im hinteren Bühnenbereich positioniert. So auch bei uns. Und somit war er nach vier Shows bereits mit allen Gesangsmelodien per du. Sein lapidarer wie vielversprechender Vorschlag: “Na, wenn ihr wollt, dann schaff ich mir die Texte drauf und sing.” Zwei Stunden später standen Unleash The Sky featuring Mario von Blackout Problems (unbedingt auschecken: www.facebook.com/blackoutproblems) gemeinsam auf der Bühne - Glückshormone en Masse, denn damit hatte am Vormittag noch keiner gerechnet.

Der heilige Sonntag führte uns nach Mannheim. Hier begann der Tag mit einer schlechten Nachricht der anderen Art: Die Dusche hat nur kaltes Wasser. Wer schon mal einen Musiker am Tag danach gerochen hat, der weiß, wie schlimm das ist …
Nach einigen Stunden, die ich dank perfektem Internet mit dem 1:0 Sieg der Eintracht gegen Cottbus überbrücken konnte, kam irgendein Macgyver auf die Idee, den Hahn am Waschbecken parallel zur Dusche aufzudrehen - und Gott schuf warmes Wasser. Diese Apparatur durfte für den Rest des Tages von keinem Menschen mehr angefasst oder angeschaut werden und sorgte nach einiger Zeit für ein eindrucksvolles Sauna-Feeling im Backstage-Bereich. Aber hauptsache, wir waren sauber.

Heute heißt es (endlich?) mal wieder Offday, davon gleich zwei. Ausspannen, Wäsche waschen, Mails beantworten, ein paar neue Ideen aufnehmen, Apfelwein trinken - und das gute Gefühl aufsaugen, das einen umgibt. Jede Sekunde. Schon seit fast zwei Wochen. Ich fass’ es immer noch nicht.